Montag, 29. August 2016

Mit deutschen Waffen Terror schaffen

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Unter Nutzung deutscher "Leopard"-Panzer und begleitet von erklärten "Sympathien" der Bundesregierung setzt Deutschlands NATO-Verbündeter Türkei seinen Krieg auf syrischem Territorium fort. Bereits der Einmarsch türkischer Truppen am vergangenen Mittwoch ist Berichten zufolge mit deutschen Kampfpanzern erfolgt. Die Bundesregierung drückt ausdrücklich ihre Zustimmung zu den türkischen Operationen aus. Diese zielen weniger auf die Ausschaltung des "Islamischen Staats" (IS/Daesh) als vielmehr darauf, mit der Errichtung der schon lange geplanten "Schutzzone" auf syrischem Territorium das Entstehen eines zusammenhängenden Gebietes "Westkurdistan" zu verhindern. Berlin unterstützt Ankara, obwohl die türkische Regierung auch bei ihren aktuellen Operationen in Nordsyrien insbesondere islamistische, teils sogar jihadistische Milizen fördert und ihnen damit zum Aufbau entsprechender Herrschaftssysteme verhilft.

Mit deutschen Panzern einmarschiert

Bereits bei ihrem Einmarsch in Syrien am vergangenen Mittwoch hatten die türkischen Streitkräfte "Leopard"-Panzer aus deutscher Produktion genutzt.[1] Der Einmarsch diente offiziell dazu, dem "Islamischen Staat" (IS/Daesh) die Grenzstadt Jarabulus zu entreißen. Über Jarabulus hatte der IS mit Duldung der Türkei mehrere Jahre lang ausländische Kämpfer und Unterstützer in das von ihm kontrollierte Gebiet geschleust, Nachschub bezogen und Erdöl verkauft. Während er bereits am Mittwoch aus der Stadt vertrieben wurde - Berichten zufolge ohne besonderen Widerstand -, haben die türkischen Streitkräfte in Verbindung mit syrischen Milizen ihre Operationen südlich von Jarabulus am Wochenende fortgesetzt. Ziel sind Stellungen nicht des IS, sondern der Syrian Democratic Forces (SDF), einer unter führendem Einfluss der kurdischsprachigen YPG (Yekîneyên Parastina Gel‎, Volksverteidigungseinheiten) stehenden Truppe, die recht erfolgreich gegen den IS kämpft und dabei auf US-amerikanische Unterstützung zählen kann..........

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Ein Riesengeschäft: Ein beispielloser Strom von Waffen aus Mittel- und Südosteuropa hat die Schlachtfelder im Mittleren Osten überschwemmt

Während im Lauf der beiden letzten Jahre Tausende von Tonnen Waffen südwärts geflogen wurden, sind Hunderttausende von Flüchtlingen nordwärts geflohen – vor Konflikten, in denen schon mehr als 400.000 Menschen getötet wurden. Staaten auf dem Balkan und im übrigen Europa haben inzwischen die Fluchtroute geschlossen, die Routen in der Luft und auf See, über die das lukrative Geschäft mit Waffen für den Mittleren Osten abgewickelt wird, blieben aber offen.

Saudi-Arabien – Das Königreich der Waffenkäufe

Die Route der Waffenlieferungen aus Mittel- und Südosteuropa besteht seit Winter 2012, als Dutzende von Transportflugzeugen, die von Saudi-Arabien gekaufte Waffen und Munition aus dem früheren Jugoslawien geladen hatten, von Zagreb aus nach Jordanien starteten. Schon bald danach traf die erste Ladung kroatischer Waffen auf dem syrischen
Schlachtfeld ein.

Nach einem Bericht in der New York Times vom Februar 2013 hat ein höherer kroatischer Offizieller während eines Washington-Besuchs im Sommer 2012 große Mengen alter jugoslawischen Waffen zur Verwendung in Syrien angeboten. Daraufhin stellte die CIA eine Verbindung zwischen Kroatien und Saudi-Arabien her, das die Waffenkäufe finanzierte. Die CIA arrangierte den Lufttransport, der gegen Ende dieses Jahres begann........

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Sonntag, 28. August 2016

Der religiöse Zionismus hat Israel nichts als Unruhe beschert

Eine Antwort an Ari Shavit
Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי
Übersetzt von Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Der Kommentar meines Kollegen Ari Shavit, dass die Siedlerbewegung aufregend ist, zeigt, dass auch der "radikale Zentrist" des Landes unaufgeklärt ist.
Man muss sich ungläubig die Augen reiben. Ein israelischer Journalist, der sich selbst als weder religiös noch nationalistisch definiert, schrieb: „Die Leute von Mercaz Harav und Gush Emunin haben von niemandem etwas gestohlen. Was sie während der letzten 49 Jahre getan haben, war erziehen - was eindrucksvoll ist - und mobilisieren und anwerben, was aufregend ist.“( Ari Shavit 11. August)

Es ist das Jahr 2016 und das Verbrechen ist schöngeredet worden; es ist sogar zum pädagogischen Vorbild geworden. Der Sieg ist erklärt worden.

Eine Bewegung, die fast nichts getan hat, außer zu stehlen, nur stehlen, wird von einer Person bewundert, die sich selbst als „radikale Mitte“ definiert. Eine Bewegung, deren Existenz sich auf Vertreibung gründet, auf Betrug und Korruption, wird nun nicht nur legitimiert, sondern „aufregend“ und „eindrucksvoll“ von einer Person genannt, die sich selbst als aufgeklärt betrachtet. Eine Bewegung, die sich auf Manipulation des religiösen Glaubens gründet, wird von einer Person bewundert, die sich selbst als säkular betrachtet.

Grafik entnommen Tlaxcala

Man kann dies natürlich für den Schreiber dieser Illusion übersehen; es ist kaum zu glauben, dass dies ernst gemeint war. Man kann nicht säkular sein und an das biblische Recht auf Shilo und Itamar glauben; man kann kein Nicht-Nationalist sein und von der Bildungsarbeit des Gush Etzion-Siedlungsblocks und der Merkaz Harav Yeshiva beeindruckt sein.

Was ist dies genau für eine Bildung? Man kann nicht moralisch sein und das kriminellste Unternehmen in der Geschichte des Landes unterstützen. Aber die Tatsache, dass diese Dinge fast nebenbei geschrieben wurden, als ob sie selbstverständlich wären, zeigt das Ausmaß, in wieweit Israel abgefallen ist.

Ein Projekt, das von Dieben in der Nacht begonnen wurde, entwickelte sich zu einem Projekt eines Raubes bei Tageslicht und es wurde nicht nur legitimiert, sondern zu einem Objekt der Bewunderung.

Was gibt es bei Gush Emunin zu bewundern? Was gibt es dort, um begeistert zu sein? Shavit ist von Israel Harel begeistert, der die Siedlung Ofra gründete, von der mindestens 58 % ihrer Wohnstätten auf gestohlenem privatem Land gebaut wurde; und der Rest auf gestohlenem nationalen Land.

Begreift man dies? Land zu stehlen, ist aufregend. Könnte Shavit sich vorstellen, was sich ereignen würde, wenn sein Land gestohlen würde und auf diesem Ausländer gewaltsam angesiedelt würden? Shavit schrieb, Harel sei der einzige von Haaretz-Kolumnisten, der die Realität verändert hat. Es stimmt, dass er die Realität bis ins Innerste entstellt hat (und heute lebt er in Tel Aviv). Ohne seine und seiner Freunde Aktionen würde Israel ein anderer Ort sein – sicherlich moralischer und offensichtlich auch sicherer.

Es ist in Ordnung, über Ofra sich aufzuregen. Verbrechen hat für einige Leute immer geleuchtet. Man mag sich auch über die religiöse-zionistische Übernahme von Machtzentren wundern und nicht realisieren, dass dies eine feindliche Machtergreifung ist. Aber nachdem man das gemacht hat, kann man sich nicht des Säkularismus und Liberalismus rühmen.

Nein Ari, dies passt nicht zusammen. Mit deinen Worten hast du dich als nationalistisch, religiös und als nicht aufgeklärt erklärt. Du kannst nicht in beiden Welten leben.

Dieses Unternehmen, das du so bewunderst, hat dem Staat fast nichts gebracht. Was hat es gebracht? Eine größere Anzahl von Soldaten, die sich in der Armee freiwillig melden?

Na, hör mal! Es hat uns mit den größten Katastrophen bedacht. Was hat der religiöse Zionismus uns genau gebracht? Die Projekte des Siedler-Führers Zeev Hever und seiner Organisation Amana und seine Tricks?

Was ist in den Furchen der Siedlungen und auf dem Boden der Außenposten gewachsen? Nur bewaffnete und beschützte Schlafgemeinden mit vollkommen unbedeutender Industrie und Landwirtschaft und Außenbezirke, die nur dank der irrsinnigen Geldbeträge, die ihnen zugeleitet werden, künstlich existieren. Was den intellektuellen Geist angeht, so kam fast nichts von dort. Das ist keine Überraschung. Eine korrupte Bewegung kann nicht kreativ sein.

Die Siedler haben bis jetzt gewonnen. Sie zu verehren illustriert, wie wahr dies ist. Das Land ist voll von ihren Leuten mit gehäkelten Käppchen in jeder Machtposition, religiöser Eifer brennt in jeder Ecke. Dies könnte ein Sieg sein, der das Land verändert. – was schon geschehen ist – aber dieser Tiger könnte noch sich als Papiertiger erweisen.

Dies geschah einmal, in Gaza 2005. Als alles auf Fäulnis aufgebaut wurde, ist dies selten von Dauer. Aber für dieses benötigt man Gegenkräfte. Diese existieren jedoch nicht und können auch am Horizont nicht gesehen werden. Nichts illustriert dies eindeutiger als Ari Shavits Artikel.

 Danke Tlaxcala
Quelle: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.736726
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 14/08/2016
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=18710